Steckbrief Astacus leptodactylus - Sumpfkrebs

Steckbrief Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus)
 
Der Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus), auch europäischer Sumpfkrebs oder Schmalscherenkrebs genannt, gehört zu den großwüchsigen osteuropäischen Flusskrebsen. Jedoch sind nur wenige Bestände von ihm in Deutschland und Österreich vertreten. So ist er in einigen Gewässern, z.B. an dem Bodensee,  Neufeldersee, wiederzufinden. Er lebt in langsam fließenden Gewässern und verbringt den Tag im Schlamm vergraben oder in selbst gebauten Höhlen in Uferböschungen.
 
Name: Galizische Sumpfkrebs, europäischer Sumpfkrebs, Schmalscherenkrebs
Wissenschaftlicher Name: Astacus leptodactylus
Herkunft: Asien, Osteuropa
Größe: bis 18cm (ohne Scheren)
pH-Wert des Wassers: 6-9
Wasserhärte: ab 14 °dGH
Ernährung: Allesfresser
Lebensdauer: bis zu 6 Jahre
 
Beschreibung:
Bei dem Sumpfkrebs, wie auch bei dem Edelkrebs, wird die Körpermasse durch ein Außenskelett gestützt. Dieses ist im Gegensatz zum Edelkrebs stark bedornt mit einer beigen bis hellbraunen Färbung. Selten besitzen sie eine grünliche Färbung. Der Sumpfkrebs erreicht eine Größe von bis zu 18cm sowie ein Gewicht von 200g. Er wird bis zu 6 Jahre alt. Sein außergewöhnliches Merkmal sind seine sehr langen Scherenfinger, mit denen er seine Beute fest umklammert oder sich vor Räubern als auch Konkurrenten verteidigt. Seine Körperform ist im Vergleich zu dem Edelkrebs um einiges schlanker.
Ein Vergleich zwischen den Geschlechtern zeigt, dass die Männchen größer als die Weibchen sind. Die Weibchen besitzen eine gedrungenerer Körperform, einen breiteren Schwanz und kleinere Scheren als die Männchen. Die Begattungsorgane (Gonopoden) liegen beim Weibchen an der Basis des fünften Schreitbeinpaares und beim Männchen an dem dritten Schreitbeinpaar. Außerdem besitzt das Männchen einen Griffel zur Begattung des Weibchens.
 
Lebensraum:
Die Heimat des Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus) ist das Einzugsgebiet des schwarzen und des kaspischen Meeres. Nach Auftreten der Krebspest ging man davon aus, dass der Krebs resistent gegen diese Krankheit sei und wurde in einigen Gewässern Mitteleuropas eingesetzt. Die heute vorkommenden Arten in Mitteleuropa sind durch diese Maßnahme entstanden. 
Der Sumpfkrebs bevorzugt warme, nährstoffreiche Gewässer der Niederung sowie langsam fließende Gewässer. Er besitzt eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Verschmutzungen und Sauerstoffmangel und lebt auch in schlammigen Gewässern. Bevorzugt werden von ihm Gewässer wie Seen, Schottergruben und Altwässer.
In Uferböschungen gräbt er sich seine eigene Wohnhöhle, die er tagsüber belebt. Wenn keine festen Ufer vorhanden sind, vergräbt er sich im schlammigen Boden, sodass nur noch seine Fühler zu erkennen sind. Die optimale Wassertemperatur liegt bei 23°-26°C. In den Sommermonaten sollte die Wassertemperatur mindestens 17°C erreichen, sodass sich die Geschlechtsorgane ausbilden können und es zur Fortpflanzung kommt. Ein zu niedriger pH-Wert ist aufgrund des Kalkmangels für seinen Panzeraufbau schädlich.
 
Ernährung:
Die Sumpfkrebse (Astacus leptodactylus) gehören genauso wie die Edelkrebse zu den Allesfressern. So setzt sich deren Nahrung aus pflanzlicher und tierischer Kost zusammen. Die Sumpfkrebse ernähren sich bevorzugt von Pflanzen, wie Wasserpflanzen, Fadenalgen als auch Herbstlaub. Zu den tierischen Nahrungsmitteln gehören beispielsweise Schnecken und Wasserinsekten. Die Jungtiere bevorzugen überwiegend pflanzliche Kost, wobei die älteren Krebse auch auf tierische Nahrung zurückgreifen.
 
Fortpflanzung:
Die Fortpflanzung beginnt bei den Sumpfkrebsen ab dem zweiten Lebensjahr im Herbst, wenn die Wassertemperatur unter 12°C erreicht hat. Wie bei allen Flusskrebsen zu beobachten ist, drehen die Männchen während der Begattung die Weibchen mit Hilfe ihrer Scheren auf den Rücken und legen neben ihre Geschlechtsöffnung die Spermatophoren (Samenpakete mit Hülle) ab. Während diesem Prozess zeigen sich die Weibchen kooperativ, sodass auch kleinere Männchen größere Weibchen begatten können.  Etwa zwei bis drei Wochen später findet die Eiablage des Weibchen statt. So lösen sich die Spermatophoren auf und die nun freiliegenden Spermien können die Eier befruchten. Die etwa 350 Eier haften an der Innenseite der Schwimmbeine des Weibchens und verweilen bis zu einem halben Jahr dort. Während der Entwicklung gehen viele Eier verloren und im Frühjahr schlüpfen etwa 20 Larven. Diese bleiben zunächst etwa 10 Tage bei dem Muttertier, bis die beinahe fertig entwickelten Jungtiere ins Wasser entlassen werden.
 
Häutungszyklus:
1 Jahr: 7 bis 10-mal
2 Jahr: 4 bis 5-mal
3 Jahr: 2 bis 3-mal
Ab dem 4 Jahr: Männchen: 1-2 mal jährlich und Weibchen: nur noch 1-mal
 
Gefährdung:
Der Sumpfkrebs kann ebenso wie der Edelkrebs an der Krebspest erkranken. Die Krebspest in Europa wurde durch den Pilz Aphanomyces astaci hervorgerufen. Der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) oder der rote amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) aus Amerika ist Überträger dieser Krankheit. So sind heutzutage keine zusammenhängende Bestände einheimischer Krebse mehr vorhanden.
Zudem bedrohen die nicht heimischen Flusskrebs die europäischen Arten. Ihr Vorteil ist es, mehr Nachkommen zu zeugen und die noch zügiger heranwachsen als die heimischen Flusskrebse. 
Eine weitere Bedrohung für die Flusskrebse stellen die Raubfische dar, die eine komplette Population auslöschen können.